Die 5 häufigsten Fehler bei barrierefreien PDFs

Blog-Artikel | Kategorie: Ratgeber | Lesedauer: ca. 5 Minuten

Barrierefreie PDFs sind technisch anspruchsvoll. Auch wer sich bemüht, tappt immer wieder in dieselben Fallen. In diesem Artikel zeige ich die fünf Fehler, die mir in der Praxis am häufigsten begegnen – und wie Sie sie vermeiden.

Das Gute: Die meisten dieser Fehler sind behebbar, sobald man weiß, worauf man achten muss.

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich an alle, die PDFs selbst erstellen oder aufbereiten. Für eine professionelle Prüfung Ihrer Dokumente können Sie mir Ihr PDF kostenlos zur Ersteinschätzung einreichen.

Fehler 1: Fehlende oder falsche Tag-Struktur

Der häufigste und folgenreichste Fehler: Das PDF ist nicht oder nur teilweise getaggt. Tags sind das unsichtbare Gerüst eines barrierefreien Dokuments. Sie sagen einem Screenreader, was eine Überschrift ist, was ein Absatz, was eine Tabelle.

Ohne Tags liest ein Screenreader den Inhalt entweder gar nicht vor oder in einer völlig falschen Reihenfolge. Für blinde oder sehbehinderte Menschen ist das Dokument dann nicht nutzbar.

Problem: Das PDF enthält keine oder unvollständige Tags. Screenreader können den Inhalt nicht korrekt vorlesen.

Lösung: Prüfen Sie mit dem PAC-Checker ob alle Inhalte getaggt sind. In Adobe Acrobat Pro können Tags nachträglich hinzugefügt werden.

Fehler 2: Bilder ohne Alternativtext

Jedes inhaltstragende Bild in einem PDF benötigt einen beschreibenden Alternativtext. Dieser Text wird von Screenreadern vorgelesen und ersetzt den visuellen Inhalt für Menschen, die das Bild nicht sehen können.

Häufige Probleme dabei:

  • Der Alternativtext fehlt völlig
  • Der Alternativtext lautet nur „Bild" oder enthält den Dateinamen
  • Dekorative Bilder sind nicht als Artefakt markiert und werden vorgelesen
  • Diagramme und Grafiken werden ohne inhaltliche Beschreibung eingefügt

Problem: Bilder haben keinen oder einen nichtssagenden Alternativtext. Screenreader-Nutzer erhalten keine Information über den Bildinhalt.

Lösung: Jedes inhaltstragende Bild benötigt einen präzisen Alternativtext. Rein dekorative Bilder als Artefakt markieren, damit sie vom Screenreader übersprungen werden.

Fehler 3: Falsche oder fehlende Lesereihenfolge

Mehrspaltige Layouts, Seitenleisten oder verschachtelte Tabellen führen häufig zu einer falschen Lesereihenfolge im PDF. Was visuell klar strukturiert aussieht, wird vom Screenreader in einer wirren Reihenfolge vorgelesen.

Dieses Problem ist besonders trickreich, weil es mit automatischen Prüfwerkzeugen wie dem PAC-Checker nur bedingt erkannt wird. Eine manuelle Prüfung ist hier unbedingt notwendig.

Testen Sie die Lesereihenfolge in Adobe Acrobat Pro unter Ansicht → Sonstiges → Lesereihenfolge.

Problem: Inhalte werden vom Screenreader in der falschen Reihenfolge vorgelesen, etwa Spalten quer statt spaltenweise.

Lösung: Die Lesereihenfolge in Adobe Acrobat Pro manuell prüfen und korrigieren. Besonders bei mehrspaltigen Layouts und Tabellen notwendig.

Fehler 4: Fehlende Dokumentsprache

Jedes barrierefreie PDF muss eine definierte Dokumentsprache haben. Screenreader nutzen diese Information um die korrekte Aussprache und Sprachausgabe zu wählen. Fehlt die Sprachangabe, klingt der vorgelesene Text für deutschsprachige Inhalte oft unverständlich.

Die Dokumentsprache wird in Adobe Acrobat Pro unter Datei → Eigenschaften → Erweitert gesetzt. Für einzelne Wörter in einer anderen Sprache gilt dasselbe – auch auf Elementebene muss die Sprache angegeben werden.

Problem: Das PDF hat keine definierte Sprache. Screenreader nutzen die falsche Aussprache und der vorgelesene Text ist unverständlich.

Lösung: Dokumentsprache in Adobe Acrobat Pro unter Datei → Eigenschaften → Erweitert einstellen. Bei mehrsprachigen Dokumenten auch auf Elementebene angeben.

Fehler 5: Nicht barrierefreie PDF-Formulare

PDF-Formulare stellen eine eigene Kategorie dar – und eine besonders fehleranfällige. Die häufigsten Probleme:

  • Formularfelder haben keine verknüpften Labels
  • Pflichtfelder sind nicht als solche gekennzeichnet
  • Die Tab-Reihenfolge der Felder entspricht nicht der visuellen Reihenfolge
  • Fehlermeldungen werden nicht barrierefrei kommuniziert
  • Das Formular ist nicht per Tastatur bedienbar

Für Behörden ist das besonders kritisch: Formulare gehören zum Kerngeschäft und müssen für alle Bürgerinnen und Bürger nutzbar sein.

Problem: Formularfelder haben keine Labels, falsche Tab-Reihenfolge oder sind nicht per Tastatur bedienbar.

Lösung: Jedes Formularfeld benötigt ein verknüpftes Label, eine logische Tab-Reihenfolge und muss vollständig per Tastatur bedienbar sein.

Fazit: Früh prüfen, weniger nacharbeiten

Die meisten dieser Fehler entstehen nicht aus Unachtsamkeit, sondern weil barrierefreies Erstellen von Beginn an geplant sein muss. Wer ein Dokument erst nach der Fertigstellung auf Barrierefreiheit prüft, hat deutlich mehr Aufwand als jemand, der von Anfang an strukturiert vorgeht.

Meine Empfehlung: Nutzen Sie den kostenlosen PAC-Checker für eine erste automatische Prüfung. Ergänzend ist immer eine manuelle Prüfung notwendig, da viele Fehler – insbesondere falsche Lesereihenfolgen und inhaltlich schwache Alternativtexte – automatisch nicht erkannt werden.

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